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Dissertation und Promotion

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Kategorie Promotion | 9 Kommentare »

Ich habe mich schon immer gefragt, worin nun der Unterschied zwischen den Worten Dissertation und Promotion besteht. Nun hab ich endlich mal nachgeschaut und es ist eigentlich ziemlich einfach…

Die Dissertation bezeichnet das eigentliche Schriftstück, dass man abgeben muss. Das wird dann auch Doktorarbeit genannt und genau an diesem Schriftstück schreibe ich momentan.

Die Promotion bezeichnet hingegen eigentlich nur die Verleihung des akademischen Grades. Das macht Sinn, denn im Englischen heisst „promotion“ Beförderung. Damit man also promovieren kann, muss man eine Dissertation angefertigt haben. Zusätzlich muss man diese verteidigen. Die Verteidigung nennt man Disputation. In manchen Fällen muss man noch eine Prüfung ablegen, mit der man nachweist, dass man in dem Fachgebiet der Promotion über ausreichend Wissen verfügt. Solch eine Prüfung nennt man dann Rigorosum. Das Rigorosum kommt häufig zur Anwendung, wenn jemand mit einem FH Diplom promovieren will.

Jetzt frag ich mich nur noch, wie der Gesamtprozess bezeichnet wird? Promovieren wäre ungenau, da es ja eigentlich nur den letzten Akt, die Verleihung des akademischen Grades, umfasst. Bleibt also nur noch dissertieren, aber das könnte man leicht mit desertieren verwechseln, was ich auch schon ein paar mal in Erwägung gezogen habe :-)

9 Kommentare to “Dissertation und Promotion”

  1. Alex sagt:

    Der Vollständigkeit halber sei auch erwähnt, dass „Promotion = Beförderung auf ein höheres Niveau“ also durchaus Werbung für einen selbst bedeutet, denn ähnlich wie im Marketing signalisiert man durch den akademischen Grad eine gewisse „Qualität“, so wie es die Werbung beispielsweise durch Gütesiegel, vermeintliche Expertenempfehlungen oder einfach Eigenlob auch tut :)
    LG
    Alex

  2. Sebastian sagt:

    Hi Alex,

    du hast Recht, dass Promotion dies im Marketing bedeutet. Allerdings muss man hier unterscheiden, wer Promotion macht. Wenn ich eine Diss einreiche, dann macht die Uni die Beförderung. Wenn ich den Titel allerdings für Werbung nutze, dann mache ich Promotion.

    Macht das Sinn?

  3. MrsBumblebee sagt:

    DAS habe ich ausnahmsweise sogar gewusst. Wobei sich mein Wissen – wie ich bewiesen haben – in Sachen Dissertation sonst ziemlich in Grenzen hält.

    Kommt für mich selber wahrscheinlich auch nicht in Frage. Wozu soll ich als Lehrerin promovieren? Mal sehen, wie viel Lust ich nach meinem sich eh schon in die Länge ziehenden Studium habe.

  4. Sebastian sagt:

    Mmmh, ich kenne einige Leute, die es genau umgedreht gemacht haben. Sie haben zunächst in einem Fach wie Physik promoviert und dann nach ihrer Promotion eine Stelle als Lehrer angenommen :-)

  5. MrsBumblebee sagt:

    Ich studiere ja gezielt auf Lehramt, da wäre das Promovieren sicher irgendwie neben dem Beruf. Ich habe mir da – ehrlich gesagt – noch gar keine Gedanken zu gemacht. Erstmal muss ich mir überlegen, wann, wo und wie ich meine Zulassungsarbeit zum Examen schreiben. Ich HASSE Hausarbeiten. Wieder so eine Sache, die sich mit einer Dissertation nicht verträgt :-)

  6. Alex sagt:

    @Sebastian:

    Da hast du Recht, das wäre im Prinzip vergleichbar mit dem Erwerb eines Gütesiegels oder einer von unanhängigen Dritten erworbenen Qualitätsbescheinigung (z.B. TÜV DIN EN ISO 9001, Öko-Siegel, o.ä.), wenn du deine Diss einreichst. Der unabhängige Dritte (hier Uni) bescheinigt dann dass du eine super „Qualität“ = Wissen parat hast und die Promotion ist abgeschlossen. In Zukunft kannst du mit deinem „Siegel“ = Doktortitel werben.

    Allgemein in den Wirtschaftswissenschaften nennen wir das ganze übrigens Informationsassymetrie:
    Dein „Kunde“ = Arbeitgeber, Klient usw. weiß nicht, welche Qualität er bekommt. Du könntest gut sein oder schlecht. Wenn die Qualität unsichtbar ist, geht man auch von schlechter Qualität aus und ist auch nicht bereit für gute zu bezahlen, weswegen gute Qualität langfristig gar nicht mehr angeboten wird. Das nennt man „negative Auslese“ oder „adverse Selektion“. Einziger Ausweg ist sog. „Screening“ (Überprüfung durch Dritte) oder „Signaling“ (z.B. freiwillige Geld-Zurück-Garantie). Und da wären wir wieder beim (wissenschaftlichen) Grund für deine Diss ;-)

  7. Sebastian sagt:

    Hallo Alex,

    danke für diese ausführlichen Hinweise. Die Idee, die Informationsasymmetrie durch einen akademischen Titel zu durchbrechen, ist natürlich geschickt. So abstrakt hatte ich das noch gar nicht betrachtet :-) Wikipedia hat für alle Interessierten noch viele weitere Infos dazu:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Asymmetrische_Information

  8. Alex sagt:

    Keine Ursache, für irgendwas muss man ja studiert haben ;)

    Ich finde den deutschen Artikel bei Wikipedia nicht so super verlinkt, wen das Thema wirklich interessiert, der sollte sich auch den englischen Artikel durchlesen, wo Signaling und Screening explizit als Lösungswege erklärt werden
    http://en.wikipedia.org/wiki/Information_asymmetries

    Ich hoffe ich hab euch nicht zu sehr mit grauer Theorie gelangweilt, aber manchmal ist es gar nicht so verkehrt aus einem Problem „herauszuzoomen“ und es in einem abstrakten Gesamtzusammenhang zu sehen.

    LG
    Alex

  9. Alex sagt:

    Übrigens will ich nicht abstreiten dass eine Diss noch viel mehr sein kann: Eine Motivation, ein Statussymbol usw. – aber selbst diesen Effekt hat sie im Grunde nur durch den anerkannten Wert, der ihr durch dritte beigemessen wird, weil sich nun mal eben nicht jeder so nennen darf, sondern es hohe Qualitätsmaßstäbe gibt.

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