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Ernüchterung

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Kategorie Promotion | 2 Kommentare »

Man meint, wenn die EU Forschungsprojekte mit mehreren Millionen Euro Steuergeldern fördert, muss Großartiges heraus kommen. Ein genauer Blick auf die Ergebnisse kann dann aber schon ernüchtern…

Nehmen wir an, wir wollen 2 Computersysteme koppeln. In Computersystem A haben wir all unsere Kundendaten, mit System B wollen wir nun z.B. einen Brief an den Kunden erstellen. Unser System A hält die Adresse in folgendem Format vor:

Unser System B braucht die Adresse aus irgendeinem Grund nun aber in folgendem Format:

Man sieht, dass beide Formate den gleichen Inhalt haben. Manuell ist es relativ einfach die Daten entsprechend umzuwandeln. Nun wollen wir das natürlich automatisieren. Dazu würden wir vielleicht ein kleines Programm schreiben oder eine Datenmapping Funktion unserer vorhandenen Computersysteme nutzen.

Gehen wir nun davon aus, dass beide Systeme sehr modern sind und mit semantischen Technologien arbeiten. Beide Systeme beschreiben die erwarteten Daten in einer Ontologie. Sie liefern also für die erwarteten Datenformate eine für Maschinen verständliche Beschreibung. Die Umwandlung von Ontologie A in Ontologie B bezeichnet man dann als Mediation und das Werkzeug dazu einen Mediator.

Ich hätte nun erwartet, dass ich mir solch einen Mediator irgendwie automatisch erzeugen lassen könnte. Ich müsste nur noch sagen was die Ausgangsontologie ist und wo ich hin will. Das Tool würde dann analysieren, ob die Umwandlung möglich ist, ob also alle benötigten Informationen vorhanden sind und wenn ja, würde es einen entsprechende Umwandlung vornehmen. Wenn sowas möglich wäre, würde dies für Praktiker viel Zeit ersparen und wäre ein echter Fortschritt.

Ich hatte die Lösung hinter den Mediatoren des WSMO Projekts vermutet. WSMO ist eine Sammlung von Werkzeugen und Konzepten für das Semantic Web. Viele Werkzeuge und Konzepte wurden im Rahmen von EU Forschungsprojekten entwickelt. Schaut man sich aber mal genauer an, was WSMO zu Mediatoren „erforscht“ hat, dann ist dies eher ernüchternd. Man hat lediglich ein Format definiert, mit dem man sagen kann, was ein Mediator leistet. So kann man Start- und Zielontologie angeben. Es wird aber nichts gesagt, wie solch ein Mediator umzusetzen ist, gar nicht zu denken an eine evt. automatische Generierung solch eines Tools. Ich will nicht sagen, dass die im Rahmen von WSMO geleistete Arbeit wertlos ist – im Gegenteil, sie ist enorm wichtig. Es ist aber einfach so, dass ich mehr erwartet hätte.

2 Kommentare to “Ernüchterung”

  1. admin sagt:

    XSLT ist eine mögliche Implementierung für einen Mediator. Wie gesagt, man hat es sich recht einfach gemacht und lediglich ein Format festgelegt, wie man einen Mediator beschreiben kann. Man sagt also:

    Name Mediator: Mediator1
    Ausgangsformat: A
    Zielformat: B
    URL: http://…/mediator1.wsdl

    Das besagt natürlich nichts, wie der Mediator intern aufgebaut ist. Auch hilft dir das nicht, wenn du A und B hast und jetzt Mediator1 erzeugen willst. Das musst du weiterhin von Hand machen.

  2. Martin Hedler sagt:

    Ist XSLT nach dieser Definition ein Mediator? Wenn ja, dann ist eine automatische Generierung natürlich zu wünschen, aber da ich mich momentan stark mit XSLT beschäftige (und mit verschiedenen XML-Formaten) kann ich sagen, dass die Transformationen sehr komplex werden können und sehr häufig von logischen Bedingungen abhängen, Schleifenabläufe enthalten, Berechnungen durchführen und ähnliche Konstrukte, die algorithmischen Programmierungen entsprechen. Demnach ist die automatische Mediatorerstellung so gut möglich wie die automatische Programmerstellung: Für einfache, z.B 1:1 Umformungen mag es gehen, aber schon für ein wenig komplexere Transformationen muss man selbst Hand an legen. Solltest du dennoch solch ein Tool finden, dann bitte her damit :-)!

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