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New York

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Ende Juni war ich für eine Woche im Urlaub und hab Freunde in New York besucht. Erkenntnis 1: Urlaub ist eine gute Sache, sollte man öfter machen; Erkenntnis 2: New York ist groß :-)

Nach einer Woche New York steht für mich fest: Die Stadt sollte man min. einmal in seinem Leben besucht haben! Man kennt ja viele Bilder z.B. von den Sehenswürdigkeiten wie Empire State Building oder aus zahlreichen Filmen, die in New York spielen. Und trotzdem war ich erst mal völlig platt, als ich aus dem U-Bahn Schacht an der Pennstation kletterte und dann mitten in Manhattan stand. Es ist heiß, es sind extrem überfüllte enge Straßen mit hohen Fassaden links und rechts und überall Menschen, Menschen, Menschen.

Taxis in Manhattan

Insgesamt verbrachte ich 3 Tage in Manhattan, 1 Tag in Brookly sowie noch zwei Tage auf Long Island in diversen Ortschaften. Irgendwie hatte ich geglaubt, dass man in ca. 6 Tagen wesentlich mehr von der Stadt sehen kann, aber es ist alles sehr riesig. Selbst in 3 Tagen Manhattan hatte ich noch nicht die Zeit wirklich alles zu sehen oder in ein Museum zu gehen. So wanderte ich an den meisten Tagen durch die Stadt, machte viel zu viele Fotos, schaute mir die Gebäude an und beobachtete die Menschen.

Zwei Hochhäuser in Manhattan eng beieinander

Wenn man mal Frankfurt Main oder andere Städte mit Wolkenkratzer erlebt hat, dann stehen in solchen Städten meist eine handvoll imposanter hoher Gebäude. Ich hatte von New York auch erwartet, dass sich die Zahl beschränkt, aber es sind mehrere hundert! Das folgende Bild habe ich von der Aussichtsplattform auf dem Rockefeller Center gemacht. Man sieht links das Empire State Building und ganz im Hintergrund ist Downtown Manhattan.

Blick auf New York Downtown vom Rockefeller Center aus

Genauso gigantisch ist der Central Park. Ich hab nur ein kleines Stück durchlaufen, weil der Park einfach zu groß ist. Man kann da sicher ohne Probleme mehrere Stunden drinrum laufen. Hier sieht man einen kleinen Ausschnitt, ebenfalls vom Rockefeller Center aus fotografiert.

Central Park vom Rockefeller Center aus fotografiert

Man sieht auf dem Bild ja diesen merkwürdig anmutenden Übergang von Park zu Stadt. Eine saubere Trennlinie grenzt Stadt und Park ab. Befindet man sich im Park, wirken die Hochhäuser irgendwie künstlich, da sie so überhaupt nicht in die Landschaft passen wollen.

Manhattan vom Central Park aus fotografiert

Meine Freunde, bei denen ich für die Tage gewohnt habe, wohnen in Mastic auf Long Island. Jeden Tag sind wir früh mit dem Auto über eine verwirrende Anzahl von Highways, Freeways und Parkways zum Bahnhof Ronkonkoma gefahren. Die Fahrt mit dem Auto hat etwa 30 Minuten gedauert. Von dort ging es mit der Long Island Railway in 1 Stunde und 20 Minuten nach Manhattan zur Pennstation. Laut Google Earth sind es rund 100km Luftlinie zwischen Mastic und Mannhattan. Es ist eine enorme Strecke. Ohne Auto hat man fast keine Chance in die Stadt zu kommen, da kein Bus zum Bahnhof fährt und der Bahnhof in Mastic zu sehr merkwürdigen Zeiten nur angefahren wird.

Long Island Railway

Einem Tag waren wir in Mastic Beach, einem langen Sandstrand am Atlantik. Obwohl es sehr heiß war, hab ich es dennoch nicht in das sehr kalte Atlantikwasser gepackt. Ganz in der Nähe ist das TWA 800 Memorial zum Gedenken an die Opfer des Flugzeugabsturz von 1996.

Meine Freunde haben sich ein schönes Haus in Mastic gebaut. In den USA läuft sowas alles über Kredit und man kauft eigentlich ein Haus, um es möglichst ein paar Jahre später für einen höheren Preis wieder zu verkaufen. Im Vergleich zu Deutschland werden die Häuser wesentlich leichter gebaut. Man könnte sagen, in den USA bauen sie Häuser, in Deutschland bauen wir Burgen. Zum Bau werden viele Fertigteile verwendet und es ist kaum was gemauert. Selbst die hübsche Veranda besteht größtenteils aus Plastik und das Haus hat natürlich eine Klimaanlage. In der unteren Etage befindet sich die Wohnküche, ein Speisezimmer, ein kleines Klo und der Zugang zur Garage. Oben war ein Gäste-/Kinderzimmer, ein Arbeitszimmer, das Schlafzimmer sowie 2 Bäder. Eher ungewöhnlich war, dass das Haus vollständig unterkellert ist.

typisches Wohnhaus

Klimaanlagen findet man in allen Gebäuden und Verkehrsmitteln. Während man auf den Straßen bei über 30°C zerfließt, wird man in den Gebäuden und den U-Bahnen auf ca. 20°C tiefgekühlt. Das ist natürlich eine ziemliche Umgewöhnung. Es ging schon auf dem Hinflug los und dauert noch bis jetzt mit einem Schnupfen an :-)

weitere Gebäude in Manhattan

Doch zurück zum Sightseeing und dem allgemeinen Verkehrschaos. Ich glaube man könnte das Verkehrsproblem in Manhattan lösen, wenn man alle Taxis und alle Polizeiwagen verbannen würde. Wer mit dem Auto in die Innenstadt fährt, ist letztendlich selber schuld. Es ist wirklich besser sein Auto an einem Bahnhof stehen zu lassen und mit der Bahn reinzufahren. Das Bahnsystem ist sicher noch ausbaufähig. Ein zentrales Problem ist, dass es viele unterschiedliche Bahngesellschaften gibt. So gibt es nicht wie in Deutschland einen Hauptbahnhof, sondern jede Bahngesellschaft hat ihren Hauptbahnhof. Ein Umsteigen zwischen den Gesellschaften ist deshalb nicht so leicht möglich. Die Züge der Long Island Railway kommen in Pennstation (unter vom Madison Square Garden) an, andere Züge fahren aber von der Central Station (siehe nächstes Foto), die etliche Straßen weiter entfernt liegt. Manhattan wird zusätzlich noch von einem mehr oder weniger dichten Netz von U-Bahn-Linien durchzogen. Manche große Bürokomplexe haben sogar ihre eigene Station. Die U-Bahn ist aber relativ langsam unterwegs, zumindest wenn man es mit Berlin vergleicht. In Brooklyn fährt die U-Bahn teilweise als Hochbahn über den Dächern der Gebäude und man hat einen guten Ausblick auf die Wohnviertel.

Central Station in Manhattan, New York

Würde die Anzahl von amerikanischen Flaggen ein Maß für den Patriotismus sein, dann wären die New Yorker verdammt patriotisch! Es gibt eigentlich keinen Straßenzug ohne Flagge. Die größte Flagge habe ich am Gebäude der New York Stock Exchange („Wall Street“) gefunden.

Gebäude New York Stock Exchange (Wall Street)

Für uns Deutsche ist das sicher alles sehr verwunderlich, da wir ja ein eher gespaltenes Verhältnis zu unserem Land und seinen Symbolen haben (mal abgesehen von den 4 Wochen Fußball-WM letztes Jahr). Aber auch in anderen Ländern wie Schweden ist es üblich, die Nationalflagge in seinem Vorgarten zu hissen. Ziemlich abgefahren fand ich aber, dass selbst in einer Kirche eine Flagge hing.

US Flagge in einer Kirche in New York

New York ist nicht nur ein Besuch wert wegen seiner beeindruckenden Architektur, sondern auch wegen den Menschen. Es ist ein Treffpunkt aller Kulturen der Welt. Wenn man fragt sind die Menschen sehr freundlich und hilfsbereit. Einmal fragte mich ein dauertelefonierender Typ in der Bahn neben mir, wo ich denn her käme und dass er sich für seine Telefoniererei entschuldige. Als ich ihm erzählte ich käme aus Deutschland, musste ich ihm erst mal ein paar Sätze auf Deutsch beibringen und er rief dann erst mal 3 Freunde an, um ihnen zu erzählen, dass er gerade neben jemanden aus Deutschland sitzt ;-)

Ich war mir nicht bewusst, dass New York eine der größten jüdischen Gemeinden außerhalb von Israel hat. Man sieht viele Leute auf den Straßen und in der U-Bahn mit Kippa oder den typischen Locken an den Schläfen. Eine andere traditionell große Gemeinde kommt aus Asien. So gibt es ein paar Straßen, die als Little Korea bezeichnet werden und natürlich das wesentlich größere China Town.

Blick auf eine Straße in China Town, New York

China Town hat mir persönlich gut gefallen, man hat wirklich das Gefühl nicht mehr in den USA zu sein (abgesehen von den Flaggen). Eher enttäuschend fand ich Little Italy. Außer ein paar italienischen Restaurants und vielen Flaggen gab es eigentlich nichts, was das Viertel jetzt irgendwie besonders italienisch gemacht hätte.

Hydrant in Little Italy in entsprechender Bemalung

In New York herrscht ein Platzproblem. Deshalb baut man natürlich erst mal in die Höhe, um die Grundfläche so effizient wie möglich zu nutzen.

weiteres Gebäude in Manhattan

Aber selbst so bleibt nicht genug Platz. Die Mieten sind enorm und viele traditionelle Bewohner haben inzwischen gerade Manhattan verlassen, um in die etwas günstigeren Stadtteile wie Brooklyn, Queens, Bronx und Staten Island zu ziehen. So richtig günstig ist es aber auch da nicht mehr. Der Immobilienmarkt boomt und jeder wettet auf steigende Mietpreise und Grundstückswerte. Man kann nur hoffen, dass diese Spekulationsblase sanft platzt. Die Not an Platz macht aber natürlich auch erfinderisch, wie man in den  nächsten beiden Bildern sieht.

Wäscheleine in New York

Wäsche auf einem Dach in New York

Nicht nur die Wäsche will einen Platz zum Trocknen haben, sondern man braucht natürlich auch einen Platz für die Autos. Prinzipiell ist es besser gar nicht erst mit dem Auto zu fahren, aber das lässt sich nicht immer realisieren. So gibt es eine Vielzahl von Parkhäusern. Diese sind aber nicht wie bei uns dafür gebaut wurden, sondern es werden häufig vorhandene Gebäude entsprechend umfunktioniert. Dabei kommen teils sehr merkwürdige Varianten raus, wie man auf dem folgenden Bild sehen kann.

Parkhaus in New York

Trotz aller Hektik und Enge gibt es natürlich auch ruhige Orte in der Stadt. Man findet zahlreiche Parks und am Wasser geht es an manchen Stellen auch gemütlich zu.

einsame Sitzbänke in New York

Gemütlich ist es auch mit einer Fähre nach Staten Island zu fahren. Die Fahrt führt an der Freiheitsstatue vorbei. Ich hab es leider nicht geschafft eine Fahrt zu machen und musste mich deshalb mit einem Bild aus der Ferne von der Freiheitsstatue begnügen.

Freiheitsstatue aus der Ferne fotografiert

Mehrfach erwähnt habe ich schon die beeindruckende Architektur. Auf dem nächsten Bild sieht man das Chrysler Building. Es war für kurze Zeit das höchste Gebäude der Welt, wurde aber ein paar Monate später vom Empire State Building abgelöst. Die ringförmigen Verziehrungen symbolisieren Sonnenstrahlen. Da das Gebäude am Anfang der Hauptsitz der gleichnamigen Autofirma war, findet man diverse Fassadenelemente, die zum Beispiel an Kühlerfiguren erinnern.

Chrysler Building in New York

Das Chrysler Building wirkt auch heute noch sehr futuristisch. Eher zeitlos im Stil ist das Empire State Building (nächstes Foto). Der Bundesstaat New York wird inoffiziell von seinen Bewohnern Empire State genannt. Mir persönlich hat das Empire State Building mehr gefallen als das Chrysler Building. Weniger beeindruckt war ich vom Rockefeller Center. Es ist natürlich auch ein enorm großes Bauwerk, aber architektonisch fand ich es nicht so überraschend.

Empire State Building aus der Ferne

Ein weiteres häufig fotografiertes Gebäude ist das Flat Iron Building. Das Gebäude ist wirklich so schmal, wie es auf dem Foto aussieht. Ich habe da nicht nachgeholfen.

Flat Iron Building in Manhattan, New York

Einen besonderen Reiz hat die Stadt auch dadurch, dass sie auf einer Halbinsel liegt und daher von Wasser umgeben ist. Auf dem nächsten Foto sieht man einen Teil der Brooklyn Bridge sowie die Skyline von Downtown Manhattan. Das Foto habe ich von der Manhattan Bridge aus aufgenommen. Man kann auf dem Foto auch gut die Dunstglocke über der Stadt erkennen. Umso später es wurde, umso schlechter war die Sicht. Bei den Fotos vom Rockefeller Center aus habe ich hinterher etwas nachgeholfen, um den bläulichen Smogschleier aus den Fotos zu entfernen.

Brooklyn Bridge und Skyline Downtown Manhattan

Markant sind auch die vielen verglasten Gebäude. In diesen spiegeln sich andere Gebäude. Interessant ist auch, dass es sehr viele ältere Gebäude gibt und diese neben den neuen Glaspalästen stehen. Das ergibt an manchen Stellen etwas bizzare Bilder…

altes Gebäude spiegelt sich in neuem Glaspalast in Manhattan

Besonders gefallen hat mir, dass nicht alle Hochhäuser einfach nur hohe Klötze sind, sondern teils abgestuft wurden und schräge Dächer haben. Viele Gebäude waren liebevoll verziert, wie man es in Europa eigentlich nur von Kirchen oder Palästen kennt. Ein schönes Beispiel sieht man auf dem nächsten Foto.

Abgestuftes Dach auf Wolkenkratzer in New York

Ich habe mir natürlich auch den Platz des Wahnsinns vom 11. September 2001 angeschaut. Man kann nicht viel sehen, der ehemalige Standort des World Trade Centers ist heute eine riesige Baustelle. Ganz tief in der Erde hat man eine neue U-Bahn Station errichtet und die Bauarbeiten am neuen Freedom Tower beginnen gerade. Man kann kaum einen Blick auf die Baustelle werfen, da ein hoher Bretterzaun drumherum ist. Ich war überrascht, dass es fast gar keine Gedenktafeln oder Informationsorte gibt. Das Gedenken soll später zentral am Freedom Tower in einem dafür gebauten Memorial stattfinden. Bis dahin fühlt man sich etwas allein gelassen. Aber wahrscheinlich könnte man auch nicht mit Gedenktafeln und Augenzeugenberichten verstehen. Angesichts des Massenmords, der hier geschah, ist es sehr schwer überhaupt die richtigen Fragen zu stellen, geschweige denn Antworten zu finden.

Ground Zero Ende Juni 2007

Und wenn ich schon mal bei politischen Themen bin, kann ich ja gleich noch ein paar andere Sachen anbringen. Während der Einreise und schon vorm Abflug in Deutschland wird man sehr stark kontrolliert. Noch bevor ich überhaupt meine Bordkarte in Frankfurt am Checkin abholen konnte, wurde ich nach dem Grund meiner Reise gefragt und meine Zieladresse überprüft. Bevor es in das Flugzeug ging, wurde ich insgesamt 2mal vollständig kontrolliert, aber das kann einem heute auch auf deutschen Inlandsflügen passieren. Bei der Einreise in die USA muss man ein Dokument mit lächerlichen Fragen („Wollen sie einen Terroranschlag verüben?“ ja/nein) beantworten, es wird ein Foto gemacht und man muss seine Fingerabdrücke abgeben. Ich persönlich hab dies als eine Demütigung empfunden, auch wenn die Grenzbeamten sehr freundlich und professionell sind. Soviel dazu, nur sollten wir uns nicht darüber aufregen, denn der deutsche Staat ist nicht besser. Ab diesem November muss bei Beantragung eines neuen Reisepass auch der Fingerabdruck abgegeben werden, die Polizei hat schon heute Zugriff auf alle Emailkonten, der Staat will unsere Computer online durchsuchen (Stichwort: Bundestrojaner), die Unschuldsvermutung soll aufgehoben werden und unser lieber Innenminister will zusätzlich noch das gezielte Töten von vermutlichen Terroristen erlauben. All das passiert momentan in Deutschland, weil wir ein Terrorismusopfer (Schäuble) zum Innenminister haben (obwohl Schily auch nicht besser war). Oder anders gesagt – weil wir den Bock zum Gärtner gemacht haben. Bevor wir also uns über die Amerikaner aufregen, sollten wir uns erst mal an unsere eigene Nase fassen und bei uns Ordnung machen!

Nichtsdestotrotz war es eine spannende Reise. Ich habe viele neue Eindrücke mitgenommen und werde sicher noch einige Zeit was zum Nachdenken haben. Und wer bei mir mal vorbei schaut, dem kann ich ja noch die anderen 500 Fotos zeigen :-)

5 Kommentare to “New York”

  1. Roman sagt:

    1. auf meiner homepage ist nicht viel aufgeschaltet (im moment)
    2. (eigentlicher grund) ich mache gerade in der schule einen vortrag über new york und wäre an den restlichen 500 fotos interessiert :-)
    melde dich doch bitte mal! (e-mail: roman@roman-gysin.ch)
    danke

  2. Sebastian sagt:

    Hallo Roman,

    wenn du weitere Fotos von New York suchst, dann schau doch einfach bei Flickr vorbei:

    http://flickr.com/photos/tags/manhattan/clusters/nyc-newyork-newyorkcity/

  3. Veit sagt:

    Schöne Fotos und auch nett beschrieben.
    Ich selbst war auch da. Hatte damals leider aber noch keine Digicam.
    Viele Grüße.

  4. […] und seine Mobilfunkverbindung bricht während seiner Zugfahrt nach Washington ständig ab. Da ich selbst vor einiger Zeit in New York war, kann ich bestätigen, dass die Infrastruktur extrem marode ist. Die U-Bahn schleicht nur so vor […]

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