Sent from Hauptstadt!

ein Blog für den geneigten Leser

Bitcoins: Ein Selbstversuch

Tags: ,

Kategorie Web | 6 Kommentare »

Das elektronische Geld Bitcoin schwappt mit schöner Regelmäßigkeit immer mal wieder durch die Nachrichtenkanäle. Da man inzwischen nicht nur Drogen und Waffen damit kaufen kann, habe ich einen Selbstversuch gewagt. Hier meine Erfahrungen.

Ich hatte mir die Sache mit den Bitcoins recht einfach vorgestellt:

  1. eine Bitcoin App auf meinem Schmartphone installieren
  2. Bitcoins aufladen, etwa per Kreditkarte oder Überweisung
  3. in Kneipe gehen und Bitcoins ausgeben

Die Punkte 1 und 3 klappten gut, aber Punkt 2, das Umtauschen von Euros in Bitcoins, war ein Krampf :-/ Die gängigen Bitcoin Apps sind nämlich nur ein Portomonaise, so genannte Wallets, in dem man Bitcoins aufbewahren kann. Man kann zwar Bitcoins in das Portomonaise übertragen oder beim Bezahlen daraus entnehmen, aber es gibt keine Integration mit irgendeinem Zahlungsanbieter, um das Bitcoin Portomonaise mit Euros aufzuladen.

Bitcoin Kauf

Deshalb machte ich mich auf die Suche und fand Bitcoin.de. Ich eröffnete einen Account, validierte Emailadresse und Handynummer und dachte, nun könne ich Geld tauschen. Auch das eigene Bankkonto musste ich noch durch die Abbuchung eines kleinen Betrags validieren. Aber selbst dann konnte ich noch immer keine Bitcoins kaufen, denn nun verlangte die Seite von mir noch einen Post-Ident Nachweis, bei dem ich auch noch die Kosten von 7 Euro hätte tragen müssen. Auf Nachfrage was das nun soll, erklärte mir man, dass man mit Kontos meiner Bank mehrere Betrugsfälle in der Vergangenheit hatte. Mit dem Konto bei einer anderen Bank ging es dann aber ohne Post-Ident weiter. Allein dieses ganze Prozedere dauerte schon 2 Tage. Doch dann war ich endlich soweit, Bitcoins zu kaufen.

Flux also auf dem Marktplatz von Bitcoin.de das nächst beste Bitcoin Angebot rausgesucht und schon war ich stolzer Besitzer von 0,3 Bitcoins – dachte ich. Ich hatte zwar den Kauf gestartet, aber jetzt kam noch der Zahlungsvorgang. Ich hätte eigentlich erwartet, dass Bitcoin.de als Zwischenhändler auftritt und den Betrag von meinem Konto einzieht, mir die Bitcoins gutschreibt und dem vorherigen Inhaber die Euronen auszahlt. Tatsächlich musste ich aber dem Bitcoin Besitzer direkt die Euros auf sein Konto überweisen. Da noch ein Wochenende dazwischen war, dauerte dies natürlich wiederum 3 Tage. Erst als der Empfänger meinen Zahlungseingang bestätigt hatte, bekam ich die Bitcoins gutgeschrieben. Der Transfer von Bitcoin.de auf mein Handy klappte innerhalb weniger Minuten.

Bitcoins in der Realwirtschaft ausgeben

Nach nur etwas mehr als einer Woche (der geneigte Leser möge die Ironie zur Kenntnis nehmen) konnte ich nun endlich zur eigentlichen Tat schreiten und meine Bitcoins in einer Kneipe ausgeben. Das lange Warten macht schließlich durstig :-) In Berlin gibt es den so genannten Bitcoin Kiez mit mehreren Geschäften und Kneipen, die Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren. Das lief dann alles recht unspektakulär ab:

  • Getränk bestellen und trinken, hier ein Zwischenstand

Kneipenbesuch mit Bitcoins

  • einige Zeit später habe ich die Rechnung in Bitcoins bestellt
  • der Kellner stellt sein Tablett ab und holt das Tablet raus
  • ich scanne mit meinem Smartphone den auf seinem Tablet angezeigten QR Code
  • ich bestätige die Transaktion durch einen weiteren Touch
  • wenige Sekunden später macht es Ding-Dong bei ihm und meine Bitcoins sind angekommen
  • ich lege noch ein Trinkgeld auf die Bar, weil ich das in der Eile natürlich nicht auf den Bitcoin Preis aufgeschlagen hatte

Insgesamt also ein sehr unkomplizierter Vorgang. Bemerkenswert fand ich, dass der Betrag ohne Aufschlag einfach 1:1 zum aktuellen Kurs umgerechnet wurde.

Ein Bitcoin Fazit

Bitcoins sind ein interessanter Ansatz, denn abgesehen vom Umtauschmassaker sind keine Banken an Transaktionen beteiligt. Das Vertrauen zwischen den Bitcoins Tauschenden wird durch ein verteiltes komplexes kryptographisches Verfahren ersetzt. Es fallen keine bzw. kaum Transaktionsgebühren an, was die ganze Sache enorm interessant für Zahlung von Kleinstbeträgen macht. Gerade hier scheitern alle heutigen Verfahren. Bitcoin Transaktionen sind anonym, da für jeden Zahlungsvorgang eine neue Adresse generiert werden kann und die Adressen keine Information über Sender und Empfänger enthalten.

Andererseits haben Bitcoins einige Schwächen:

  • Aktuell entspricht ein Euro 0,0032 Bitcoins. Mir persönlich fällt es schwer, diese Art von Zahlen mit irgendwas Reellem in Verbindung zu bringen. Es gibt vermutlich einen Grund, warum viele Währungen ihre kleinste Einheit auf 0,01 beschränken oder sogar nur ganze Zahlen erlauben. Da muss schnell eine Bitcoin Währungsreform her!
  • Der Bitcoin Kurs ist extrem volatil. Seit ich die Bitcoins gekauft habe, ist ihr Wert um 25% gestiegen, aber auch Einbrüche um mehr als 50% kommen immer wieder vor. Mir ist völlig unklar, wie die Kneipe damit wirtschaften kann, denn schon morgen kann meine Zahlung nur noch ein Bruchteil wert sein. Würde ich jetzt meine restlichen Bitcoins verkaufen, müsste ich vermutlich Spekulationssteuer zahlen.
  • Es ist viel zu schwierig, Euros in Bitcoins zu tauschen.

Vermutlich gibt es neben diesen praktischen Problemen auch noch eine Vielzahl technischer Herausforderungen, denn schließlich muss solch ein System auch noch funktionieren, wenn erst mal Millionen Transaktionen pro Stunde getätigt werden. Von daher bin ich gespannt, wie sich die Sache weiterentwickelt. Ein paar Bitcoins habe ich noch und wenn die Dank der vielen Spekulanten weiter so an Wert gewinnen, kann ich noch in Jahren meinen Durst damit löschen.

Achja, wer möchte, kann mir natürlich gerne auch eine kleine Spende zukommen lassen (wofür auch immer):

meine Bitcoin Adresse

1JuDTvkmaGkKZk5niKrDFDDLQnrFjmBbuV

6 Kommentare to “Bitcoins: Ein Selbstversuch”

  1. Cao Duy sagt:

    Das ist eine sehr interessante Sache. Bitcoins gerät zunehmend ins Blickfeld von Spekulanten. Dass man die Transaktionen an Banken und Fiskus vorbei tätigen kann gefällt denen nicht so sehr. Was passiert mit dem Kurs wenn die es plötzlich verbieten? Alleine eine Ankündigung dazu würde heftige Kursschwankungen auslösen. Für Zocker ist das ein Fest :)

  2. Sebastian sagt:

    Momentan ist es wirklich was für Zocker und für Leute, die es mal ausprobieren wollen, aber auch bereit sind, ihre paar Euros zu verlieren…

  3. Micha sagt:

    Danke für deinen selbstlosen Selbstversuch. Ich hatte eigentlich erwartet, dass die Beschaffung inzwischen einfach ist. In der Zeit hättest du dir dein Getränk vielleicht auch minen können. ;)

    Die Frage nach der Motivation für Gewerbetreibende hab ich mir auch schon gestellt und nur zwei Erklärungen gefunden:

    1.) Die machen das nur fürs Image und verbuchen die wenigen Bitcoin-Zahler im schlimmsten Fall unter Marketing-Ausgaben.
    2.) Die Händler-App tauscht die Bitcoins automatisch gegen Euro sobald du bezahlt hast, um Schwankungen einzugrenzen. Dafür spricht, dass er dir den Spot-Preis in Rechnung gestellt hat.

  4. Pascal sagt:

    Auf Reddit gab’s dazu vor kurzem auch einen passenden Beitrag:

    http://www.reddit.com/r/Bitcoin/comments/1ua5bn/i_went_to_a_bitcoin_party_and_realized_how/

    Da war jemand auf ner Bitcoin-Party und hat von der Überforderung der Barkeeper berichtet, die alle

    Transaktionen kontrollieren mussten. Dabei wurde auch ne recht coole App Idee vorgestellt:

    http://i.imgur.com/3rCU6nS.png

    Viele Grüße
    Pascal

  5. Bensler sagt:

    Und wieviel sind die BitCoins jetzt wert, die du damals nicht versoffen hast?

  6. Sebastian sagt:

    Die wahnsinnige Spekulationsblase rund um Bitcoin hilft nicht gerade, trocken zu werden :-)

    Ich habe aber inzwischen ein weiteres Experiment mit den verbliebenen Bitcoins gestartet, über das ich auch mal schreiben müsste…

Schreiben sie ein Kommentar